Offener Brief an den Stadtrat von Baden

Sehr geehrte Damen und Herren

Ich wurde am Dienstag morgen, dem 19. Juli 2011 auf dem Schulhaus-Platz vor dem Falken von freundlichen 4 Polizisten begrüsst und gebüsst. 40 Franken fürs Fahren mit dem Velo. Die sehr freundlichen Polizisten haben mir auch gestanden, dass sie viel besseres zu tun hätten als da zu stehen, aber das geschehe nun einmal wöchentlich auf dringende Anweisung vom Stadtrat, also Ihnen.  Und so ist es seither. Heute morgen, 15.08.2011 war es wieder soweit. allerdings diesmal in der Unterführung versteckt, mit einem “Spotter” oben vor dem Denner – absurd. 3 Schulkinder warteten in dem Moment, als ich vorbeikam, heute auf die Busse. Toll!

 

Ich freue mich auf eine Stellungsnahme, die gerne auch klärt, warum Sie für eine strikte Einhaltung der Fussgänger-Regelung gerade jetzt derart viele Resourcen einsetzen.
Bitte beachten Sie gerne auch die Schilderung des letzten Vorfalles, der noch viel absurder war, nämlich eine Busse für Velofahren in der Tiefgarage Tunnelgarage. Sie finden Sie unter  http://blog.bueeler.org/2009/10/14/baden-fahrradfahren-wie-im-20-jahrhundert/

Es gibt 5 grundsätzliche Arten, um vom Meierhof Quartier in die Innenstadt zu kommen:

1. Mit dem Auto
2. Mit dem ÖV. In den Stosszeiten sehr ungünstig, da dank des Rückstaus in der Mellingerstrasse der Fahrplan unmöglich einzuhalten ist.
3. Zu Fuss (mit dem Velo an der Hand?).
4. Mit dem Velo über die Lindenkreuzung. Legal, aber dank fehlender Velowege und miserablem Zustand der Strasse nicht nur bei Regen kriminell gefährlich. Sehr Zeitintensiv, da die Lichtsignale auf Autofahrer eingestellt sind.
5. Mit dem Velo über den Schulhausplatz, am Falken vorbei, in die Unterführung. Illegal, aber sicher und schnellste Weg in die Innenstadt.

 

Die überwiegende Mehrheit, so beobachte ich das täglich, nutzt Variante 5 – durchaus verantwortungsbewusst und langsam. Ich auch. Seit nunmehr 3 Jahren. Ich habe nicht eine einzige gefährliche Situation beobachtet dabei. Im Gegensatz zu Variante 4 – selber erlebt und beinahe täglich beim Vorbeifahren mitansehen müssen. das fängt schon mit dem Überqueren der Mellingerstrasse bei der Einmündung der Burghaldenstrasse an.

 

Der Lindenplatz ist ein Schandfleck. Ich sehe auch das Projekt, das zu seiner Sanierung hervorgezogen wurde. Ich finde es zwar äusserst absurd, dass sich eine Stadt wie Baden getraut, 2011 eine unbefriedigende Verkehrssituation damit lösen zu wollen, dass der umweltfreundliche Verkehr – Fussgänger und Velofahrer – unter die Erde verbannt wird, damit der motorisierte Verkehr überirdisch mit möglichst wenig Zeitverlust verkehren kann – notabene durch mein Quartier! Aber immerhin. Es ist etwas in Planung.
In der Zwischenzeit werden die Velofahrer eines ganzen Quartiers kriminalisiert und abgeschöpft, einmal pro Woche, mit 4 Mann!

 

Warum existieren keine kurzfristige Massnahmen zum Schutz des umweltfreundlichen Verkehrs am Lindenplatz?
Aus dem Stand gäbe es da einige baulich einfache Möglichkeiten:
- Den Velofahrern auf dieser Strecke ein bisschen Platz zu geben – mit Streifen. auch mit einem Stop bei der Unterführung.
- Das Velofahren im Tunnelparkhaus (ja, da wurde ich auch schon gebüsst) erlauben und  einen Streifen zeichnen, damit das auch die Autofahrer sehen
- Die Lichtsignalanlage auf kurze Frequenzen einstellen.
- Die schlimmsten Stellen auf der Strasse ausbessern, damit man bei nasser Fahrbahn trotzdem mehr oder weniger trocken ankommt.
- Die Velostreifen auf der Kreuzung ausbauen und dick markieren etc…

 

- UND last but not least: Seien Sie doch nachsichtig. Solange sich nur die Autofahrer angenehm über den Platz bewegen können, seien Sie tolerant bei kleineren Verstössen von Fussgängern und Velofahrern.

 

Gerne zeige ich Ihnen bei einer Ortsbegehung,  mit was ein Velofahrer am Morgen zu rechnen hat, wenn er von Meierhof kommend mit Fahrrad über den Lindenplatz fahren muss, am Besten bei Regen, bin gespannt auf eine Antwort und verbleibe mit freundlichen Grüssen

 

Mit freundlichen Grüssen
Christoph Büeler

Baden: Fahrradfahren wie im 20. Jahrhundert

Meierhof, ein Quartier in Baden, Aargau. Wer in Meierhof wohnt und auf dem schnellsten Weg in das Innenstädtchen will, muss, durch eine Tiefgarage: Kein Geheimtipp und auch keine Superabkürzung, die man nur im Notfall macht, sondern quasi der einzige Weg. Das ganze Quartier macht das so, auch wenns nicht schön ist, durch eine Tiefgarage zu gehen. Beton, Gestank und trotz hohem Fussgänger- und Veloaufkommen keinen Fussgängerweg. So weit so schlimm.

Ende September hat old bill aus baden, die stadtpolizei, in der tiefgarage posten bezogen. Und unter anderem mich erwischt: Velofahren verboten, 40 Franken Busse. Daraus der folgende Mail-Verkehr.

Christoph Bueelerto planung.bau@baden.ag.chcc info@gruenebaden.ch,baden@igvelo.ch

date Tue, Sep 29, 2009 at 12:46 PM

subject tiefgarage

mailed-by gmail.com

Hallo Planung und Bau
Ich nehme an, dass Ihr zuständig seid, sonst wäre ich froh um eine Weiterleitung.
Ich wohne seit 1 1/2 Jahren in Baden, an der Stadtbachstrasse.
Grundsätzlich finde ich wohnen in Baden ja ganz schön. Solange ich nicht velofahre. da ist dann nämlich schnell Schluss mit Lustig. – Kaum abgeschrägte Randsteine (auch ärgerlich für mich als Vater eines kleinen Kindes im Buggy sowie als Freund von an den Rollstuhl gebunden Personen)- Unendlich lange Rotlichtphasen: schick für den motorisierten Verkehr, absolut unsinnige Bestrafung der Fussgänger und Velofahrer,- Unsinnige bauliche Massnahmen: beispielsweise die neue Schranke bei grossen Veloparkplatz am Bahnhof: jeder Velofahrer der nicht absteigtbeim rausfahren, muss zwingend auf die falsche Strassenseite – wie gefährlich ist das denn? Umweltfreundlicher wäre wohl gewesen, die Autos abzubremsen anstatt einmal mehr die Benutzer des öffentlichen Verkehrs zu bestrafen.

- Kaum sinnvolle Velowege, zumindest auf meinem Arbeitsweg: Die Lindenkreuzung ist für Velofahrer auf legalem Wege und ohne maximalen Zeitverlust gekoppelt mit relativ grosen Umwegen und Wartezeiten nicht machbar.

Die Liste wäre wohl beliebig fortzusetzen, aber eigentlich will ich auf etwas anderes hinaus: Ich wurde gestern in der Tunnelgarage von der Polizei mit dem Velo aufgehalten: Velofahren verboten, 40 SFR Busse.Lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen: Im Jahre 2009 muss ein ganzes Quartier (Meierhof), wenn es auf dem schnellsten Weg zum Bahnhof, resp. in die Innenstadt will , durch eine TIEFGARAGE gehen, in der nicht mal ein Fussgängerweg ausgeschildert ist. In dieser Tiefgarage fahren AUTOS – und Velofahren ist verboten.
Die Begründung der Polizei war dann auch recht abenteurlich: Das sei zu meinem Schutz, schliesslich hätte es Autos in der Tiefgarage, die den Velofahrer umfahren könnten. Natürlich ist das richtig, Autos gefährden uns Velofahrer massiv und dauernd und z.b. auf der Lindenkreuzung noch viel mehr als in der Tiefgarage, aber dass im Jahr 2009 das Auto noch so konsequent über das Fahrrad gestellt wird, das hab ich in meinen 37 Jahren noch nirgends erlebt.
Gerne erwarte ich Ihre Stellungnahme zu dem Veloverbot in der Tunnelgarage und verbleibe mit freundlichen Grüssen
Christoph Büeler

Offensichtlich besagt das leitbild für die Mitarbeitenden der Stadt Baden, dass Mails von Steuerzahlern (sogar wenn sie keine Autofahrer sind), innerhalb von 24 Stunden beantwortet werden, wie wir später noch sehen werden. Trotzdem kam die erste Antwort von den Grünen:

Sehr geehrter Herr Büeler
Sie haben Recht und sprechen mir aus dem Herzen! Und ihre Erfahrung teilen leider viele andere Velofahrende und Zufussgehende in Baden. Es hat sich schon einiges getan in den letzten Jahren in Baden, es bleibt aber immer noch viel Arbeit, um das Velo fahren und zu Fuss gehen attraktiver zu machen.

Unsere Aufgabe als EinwohnerrätInnen ist es unter anderem, die Umsetzung all der guten Konzepte (Velokonzept 1999, Fusswegkonzept 2008) zu überwachen und forcieren. Da sind im regen Kontakt mit den städtischen Abteilung wie Planung und Bau, Polizei oder Tiefbau (Fusswegkonzept). Die Pro Velo kann oft konkret zu Bau-Projekten Stellenung nehmen und versucht dort Verbesserungen für die Velofahrenden zu erreichen. Als grosser Brocken steht ja zurzeit die Sanierung der Schulhausplatz-Kreuzung inkl. Tunnelgarage und Mellingerstrasse an. Auch da ist das Mitdenken und Anliegen einbringen wichtig!

Aus Empörung entsteht oft Engagement (bei mir waren es die unsicheren Schulwege…). Melden Sie sich doch bei Pro Velo oder bei uns Grünen, wenn Sie mithelfen wollen, Baden positiv zu verändern. Wir haben immer viele Ideen, aber oft nur beschränkt Zeit und Energie für die Umsetzung. Wir würden uns freuen, Sie kennen zu lernen.

Freundliche Grüsse, XXXXX

Gut. Freut mich! allerdings: Umsetzung Velokonzept 1999? Es ist 2009! und Baden ist zum Velofahren etwa so geeignet wie die Limmat zum Surfen (solange die limmatwave nicht installiert ist). Geht da was?

Ebenfalls am 29. September kam das erste Mail der Stadt:

Sehr geehrter Herr Büeler
Vielen Dank für Ihr Mail.Für Ihre Anliegen betreffend Velo-Freundlichkeit ist die Abteilung Planung und Bau, Herr Markus Bitterli zuständig (wird sich nach seinen Ferien ab 19.10.09 bei Ihnen melden).Betreffend Tiefgarage ist die Abteilung Liegenschaften zuständig.Freundliche Grüsse

XXXXXX

Kaufmännische Sachbearbeiterin

STADT BADEN

Planung und Bau

Von Bitterli wurde dann nichts mehr gehört – von der Stadtpolizei auch nicht. So macht man das in Baden mit dem Bürger, umsomehr, wenn der Bürger auch noch ohne Auto unterwegs ist.